Finnisch

Die finnische Sprache gehört, nicht wie der Großteil der europäischen Sprachen, zu den indogermanischen Sprachen, sondern zu den uralischen und bei diesen zu den finno-ugrischen. Finnisch ist Amtssprache in Finnland und dem Nordischen Rat, der 1952 von den Ländern Dänemark, Island, Norwegen und Schweden gegründet wurde und dem Finnland im Jahre 1955 beitrat. Finnisch wird von schätzungsweise 6 Millionen Menschen in Finnland, Schweden, Norwegen (Finnmark), Russland (Karelien) und Estland gesprochen. Aufgrund der regionalen Begebenheiten haben sich Syntax und Wortschatz im Laufe der Zeit in einem gewissen Maße an die umliegenden indogermanischen Sprachen angenähert. Einige sprachliche Merkmale der Sprache sind, dass es keine Artikel gibt und auch das Genus der Wörter spielen keine Rolle, denn im Finnischen bezeichnet das Pronomen hän sowohl "er", "sie" als auch "es". In der Grammatik lassen sich 15 Kasus feststellen, die teilweise ähnliche Funktionen einnehmen, wie etwa die Präpositionen in der deutschen Sprache. Zusätzlich gibt es noch 12 weitere Adverbialkasus, die allerdings nur für bestimmte Wörter verwendet werden. Ein Beispiel für einen solchen Kasus wäre der Prolativ, der den Weg beschreibt, über den die Handlung ausgeführt wird (postitse auf dem Postweg, kirjeitse brieflich).

Zum geschichtlichen Verlauf der Sprache lässt sich feststellen, dass eine einheitliche Sprache durch die Reformation begünstigt wurde. In dieser sorgte König Gustav Wasa 1524 dafür, dass die katholische Kirche abgeschafft und sich den lutherischen Lehren zugewandt wurde. Die ersten in finnischer Sprache gedruckten Texte waren von einem Schüler Martin Luthers, dem späteren Bischof Mikael Agricola, der schon in seiner Studienzeit religiöse Texte, vor allem des Neuen Testaments, übersetzte. Auch das erste komplett in Finnisch geschriebene Buch, die Fibel Abckiria richtete sich an Geistliche und stellte eine Unterweisung in den Grundfragen des christlichen Glaubens dar (Katechismus). Agricola war auch derjenige, der in Finnland die erste verbindliche Rechtschreibung einführte. Diese beruhte auf dem Lateinischen, Deutschen und Schwedischen und bildete so die Grundlage für eine finnische Schriftsprache. Trotz dieser Entwicklung wurde die finnische Schriftsprache im kulturellen Leben bis zum 18. Jahrhundert vernachlässigt. Das lag daran, dass Finnland in diesem Zeitraum zu Schweden gehörte und so Verwaltung, Bildung und Kultur auf Schwedisch gehalten wurden. Dies änderte sich erst, als 1809 das Großfürstentum Finnland unter russische Herrschaft fiel. Es entstand zum ersten Mal ein Nationalbewusstsein, bei dem die Forderung nach einer finnischen Kultursprache im Vordergrund stand (Fennomanen-Bewegung). Allerdings stand die finnische Sprache vor der Herausforderung, dass es weder eine systematisch erfasste Grammatik gab, noch dass der Wortschatz Vokabeln für Verwaltungs- und Kulturzwecke bot. Daraufhin veröffentlichte Elias Lönrot 1835 den Nationalepos „Kalevala“, der die Wichtigkeit der finnischen Sprache hervorhebt. Die Bewegung hatte dafür gesorgt, dass eine finnischsprachige Literatur und Presse entstand und Angehörige der Oberschicht, deren Muttersprache meist Schwedisch war, arbeiteten daran, die Sprache weiter zu entwickeln. Das Resultat dieser Bemühungen waren viele neue Wörter, die es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben hat. Diese neuen Wörter wurden oft von alten finnischen Wörtern abgewandelt. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde ein strukturiertes Schulsystem etabliert und somit die Grundlage für eine wertvolle Kultursprache gelegt, die Finnisch heute ist.

Das finnische Alphabet besteht aus 26 Buchstaben: 18 Konsonanten und 8 Vokale. In der Grammatik lassen sich 15 Kasus unterscheiden, von denen viele den Präpositionen im Deutschen entsprechen. Bei Verben lassen sich vier Zeiten feststellen: Präsens, Imperfekt, Perfekt und Plusquamperfekt. Außerdem gibt es anders als im Deutschen keine geschlechtliche Unterscheidung bei Substantiven.

 

 

Ein Paar interessante Fakten und Wissenswertes zur finnischen Sprache:

 

  • Das Wort Sauna ist das im Englischen am öftesten verwendete finnische Wort.
  • Während Finnisch eng mit dem Estnischen verbunden ist, weist es kaum Gemeinsamkeiten mit dem Ungarischen auf, obwohl alle drei zu den finno-ugrischen Sprachen gehören
  • Äteritsiputeritsipuolilautatsijänkä ist der längste Ortsname in Finnland (35 Buchstaben)
  • Die erste Nationalhymne wurde von John Runeberg auf Schwedisch geschrieben und heißt Vårt land. Mit der Unabhängigkeit Finnlands wurde diese übersetzt und der deutsche Komponist Fredrik Pacius komponierte die Melodie dazu.
  • Englisch ist sehr verbreitet in Finnland und einige Unternehmen kommunizieren sogar ausschließlich auf Englisch.
  • Früher war Deutsch die erste und beliebteste Fremdsprache in den Schulen Finnlands. Heutzutage wird dagegen eher Französisch, Spanisch oder Russisch gelehrt
  • Da Schwedisch als zweite offizielle Landessprache gilt, sind die Straßennamen, das Radio und die Fernsehprogramme zweisprachig.
  • Finnisch gehört unter Sprachforschern zu den am schwierigsten zu erlernenden Sprachen (ebenso wie Russisch oder Chinesisch)
  • Ländernamen im Finnischen sind etwas anders: Russland — Venäjä, Estland — Viro, Schweden — Ruotsi , Deutschland — Saksa, Österreich — Itävalta).

 

 

Falsche Freunde: Finnisch-Deutsch

 

Wörter, die sich in Schrift und Aussprache einem Wort aus einer anderen Sprache ähneln, bezeichnet man in den Sprachwissenschaften als „Falsche Freunde“. Diese sind oftmals ein Grund für eine fehlerhafte Übersetzung, da man dazu verleitet wird anzunehmen, dass sie das Gleiche bedeuten, obwohl dies nicht der Fall ist. Unten folgend einige Beispiele, die bei der Sprachkombinationen Deutsch-Finnisch oder Finnisch-Deutsch immer wieder zu Übersetzungsfehlern führen:

 

Finnisches Wort

Falsche deutsche Übersetzung Korrekte deutsche Übersetzung
alle

alle

als, unter

aste

der Ast

der Grad
kaarre die Karre die Kurve
kaste

die Kaste

die Taufe

lasten

die Last

Kleines, Liebling
veto

das Veto

der Antrieb

 

Der Durchzug, der Luftzug

 

Federstrich, die Taktik

pappi

Papi (Umgangssprache: Vater)

der Pfarrer, der Priester

hauta

die Haut

das Grab, die Grube, die Gruft

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